Energie

Wir wollen als Gemeinde einen entschiedenen Beitrag zur Energiewende und damit zur CO2-Reduktion leisten. Dafür schaffen wir Anreize in den Bereichen Stromerzeugung, energetische Gebäudesanierung und Verkehr.

2007 haben sich die Industrieländer eine 30%ige CO2-Reduzierung bis 2020 gegenüber dem Jahr 1990 vorgenommen, um die globale Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen. Und Gräfelfing hat sich in der Energievision 2006 sogar noch weiter aus dem Fenster gelehnt. Leider ist davon bisher so gut wie nichts zu merken. Im Gegenteil: alle Statistiken belegen, dass wir uns geradewegs auf das worst-case-Szenario zubewegen. So darf das nicht weitergehen, weil das eigentlich auch niemand will. Wir wollen deshalb neue und effiziente Wege zur Beschleunigung der Energiewende einschlagen. Wenn es nach uns geht, wartet Gräfelfing bei der Energiewende nicht auf landes- oder bundespolitische Richtungsentscheidungen, sondern schreitet zu Taten.

Wir wissen: die Energiewende ist nicht umsonst, sie kostet Geld. Doch wenn sie misslingt, wird es viel teurer oder sogar unbezahlbar. Es muss also zuerst investiert werden: in Anlagen, Geräte und Einrichtungen zur intelligenteren Energienutzung. Zur Finanzierung beitragen kann hier eine Bürger-Energiegenossenschaft. Sie macht die erforderlichen Investitionen für alle erschwinglich, indem sie u.a. Leasing-Verträge für Öko-Investments verhandelt und anbietet. Und die Gewinne bleiben bei den Gräfelfinger Bürgerinnen und Bürgern. Dabei geht es um drei Kernthemen:

1. Produktion von grünem Strom und seine effiziente Nutzung

23% der CO2-Emissio­nen in Gräfelfing stammen heute aus dem Stromverbrauch. Dieser Wert könnte innerhalb kürzester Zeit gegen Null gehen, wenn die Gräfelfinger Bürgerinnen und Bür­ger zu seriösen Ökostrom-Tarifen wechseln – für die meisten ohne oder mit überschaubarem Aufpreis verbunden! Der Erfolg des Energieeinspeisegesetzes hat alle Erwartungen übertroffen, jetzt geht es an die Phase 2 der Energiewende: Stromerzeugung und -Verwendung kommen sich auf halbem Weg entgegen. Die aktuellen starren Stromtarife für Endkunden sind antiquiert. Die Energieversorger berechnen sich gegenseitig entsprechend dem jeweiligen Strom­an­gebot sehr unterschiedliche Preise. Dementsprechend sollten auch die Endkunden mit angebotsabhängigen Tarifen die Möglichkeit haben, v.a. dann Strom zu verbrauchen, wenn er im Überfluss vorhanden und deshalb auch preisgünstig ist. So müssen auch weniger fossile Kraftwerksreserven vorgehalten werden.

  • Das heißt für Gräfelfing, dass lastabhängige Strom-Tarife für die Gemeinde und die Bürgerinnen und Bürger auszuhandeln sind.
  • Außerdem sollten intelligente Steuerungen für die Haustechnik zum Einsatz kommen. Durch die Bereitstellung entsprechender technischer Einrichtungen (Smart Home) durch die Gemeinde und die Stromversorger könnte es sehr leicht gemacht werden, stromfressende Geräte v.a. dann einzusetzen, wenn der Strom im Überfluss vorhanden ist.
  • Dabei hilft auch die  „Strom-Effizienz-Offensive“ mit dem GRÜNEN Stromsparkoffer (Messgeräte und Know-how). Damit können Einsparungspotentiale ohne Komfort-Verzicht gehoben werden – von der Heizungspumpe im Keller über die A++ Hausgeräte bis zum energiesparenden Tablet-Computer.
  • So können wir es schaffen, dass mit Hilfe einer umweltbewussten Bürgerschaft der strominduzierte CO2-Ausstoß drastisch gesenkt wird!

2. Massive Reduktion des Wärmebedarfs aus fossiler Energie

35% der CO2-Emissio­nen stammen heute aus der Erzeugung von Heizwärme und Warmwasser. Damit diese Emissionen wirkungsvoll reduziert werden können sind diverse Maßnahmen zu ergreifen, wobei generell wichtig ist, dass die Gemeinde ambitioniert vorangeht:

  • Die energetische Sanierung der bestehenden Gebäude ist eine große Aufgabe. Wir planen deshalb eine „LANGE NACHT DER WÄRMEBILDER“. Durch Serienaufnahmen mit Wärmebildkameras werden die schlimmsten Wärmeverluste möglichst vieler Gräfelfinger Gebäude transparent und die lohnendsten Dichtungs- und Dämmungs-Projekte identifiziert. Jede/r Gräfelfinger Eigentümerin bzw. Eigentümer soll sich daran beteiligen können.
  • Eine „Initiative Gräfelfinger Energiesparhäuser“ soll auch in Gräfelfing den Anteil an zukunftsfähigen Energiesparhäusern wie z.B. Sonnenhäuser, Plus-Energie-Häuser oder Passivhäuser erhöhen. Beispiele aus Oberbayern zeigen, dass ein solarbeheizter 10.000 l Wassertank in der Mitte eines ökologisch isolierten Einfamilienhauses das Schlüsselelement sein kann, um die im Sommer gesammelte Wärme für den Winter zu speichern. Das funktioniert auch in Altbauten, da der Tank oder auch mehrere Tanks erst im Haus zusammengebaut werden. So vermeiden wir nicht nur CO2-Emissionen, sondern transformieren steigende Ausgaben für fossile Energieimporte in einheimische Technologie und Arbeitsplätze.
  • Über den Solarstrom-Boom ist die Solarwärme-Erzeugungteilweise in Vergessenheit geraten. Sonnen-Kollektoren liefern jedoch je Quadratmeter bis zu 5 mal mehr verwertbare Energie als Solarstrom-Paneele. Große Kollektorflächen zur Einspeisung von bis zu 20% in das gemeindliche Nah-Wärmenetz auf möglichst vielen Dächern sind eine realistische Größe. Warmwasser-Kollektoren auf den Einfamilienhäusern sind Stand der Technik und verdienen ebenfalls wieder mehr Aufmerksamkeit, sprich: gemeindlicher Förderung.
  • Die Gemeinde braucht mehrere Blockheizkraft-Zentralen (am besten verbunden mit großen Wärmespeichern), die es erlauben, außer der Wärme lokalen Strom in wind- und sonnenschwachen Zeiten zu liefern, der sonst extrem teuer zugekauft werden muss. Hierzu eignen sich insbesondere Ortsbereiche mit Geschosswohnungsbau.
  • Selbstverständlich wollen wir auch, dass das Geothermie-Potential, soweit wirtschaftlich nutzbar, realisiert wird, um die Wärmeversorgung der im Umfeld liegenden gewerblichen und gemeindlichen Objekte sicherzustellen.
  • Auch der Einsatz von Wärmepumpen, soweit diese bezogen auf das Gebäude und die Umgebung energetisch sinnvoll sind, ist zu unterstützen.

3. Verstärkung des Trends zu umweltfreundlicher Fortbewegung

  • 42% unserer CO2-Emissionen stammen heute aus Energie für Verkehrsmittel.
  • Die Häufigkeit von Fahrten im PKW, die zurückgelegten Wege, das Eigengewicht der Fahrzeuge, die Energieeffizienz der Antriebe und schließlich die eingesetzte An-triebsenergie bestimmen die CO2-Bilanz der Gräfelfinger Bürgerinnen und Bürger. Biosprit ist allerdings keine Lösung, wenn dadurch weltweit der Nahrungsmittelerzeu-gung der Boden entzogen wird.
  • Wir arbeiten deshalb darauf hin, dass wir hier Maßstäbe setzen, d.h.seltener und wenn doch, dann in umweltfreundlichen Fahrzeugen unterwegs sind. So ist der Elektroantrieb (v.a. aus solarer Quelle) dem Verbrennungsmotor hinsichtlich der Effizienz überlegen. Flexibel „atmende“ (Tausch-)Akkus der Elek-trofahrzeuge könnten zukünftig sogar Beiträge zur Speicherung von Strom für Hochlastzeiten leisten.
    Dementsprechend sollte die Gemeinde mit e-car sharing-Unternehmen wie „DriveNow“ und „Car2Go“ Verträge abschließen.