Das Volksbegehren für Bienen und Artenvielfalt startet

“Rettet die Bienen!” ist derzeit auf vielen Plakaten und Handzetteln zu lesen – von heute ab findet in Bayern das Volksbegehren Artenschutz statt. Bis zum 13.02. müssen 1 Million Menschen im Rathaus ihre Stimme abgeben, um Artenschutz im Gesetz zu verankern. Um was geht es dabei und wie hilft das Volksbegehren der Natur, den Bauern und uns Bürgern?

Die wichtigsten Gründe, warum jeder sich im Rathaus eintragen sollte:

Niemand von uns möchte sich einen Sommer vorstellen, in dem keine Bienen mehr summen, keine Schmetterlinge mehr herumflattern, keine Vögel mehr zwitschern. In China werden Blüten bereits manuell bestäubt. Studien zur Lage in Deutschland zeigen: einer der Hauptgründe für das Artensterben im ländlichen Raum ist die starke Intensivierung der Landwirtschaft.

 

Experten berichten:

  • In Bayern sind 40 von 506 Wildbienenarten ausgestorben
  • Von den restlichen 466 Arten ist die Hälfte stark gefährdet
  • Auch die Honigbienen sind gefährdet
  • 73 % aller Tagfalter sind einfach nicht mehr da
  • Es gibt heute zwei Drittel weniger Feldvögel als vor 50 Jahren

Das Volksbegehren meint nicht nur den Schutz der Bienen: die ganze Vielfalt an Schmetterlingen, Libellen, Käfern, Vögeln – alles, was da kreucht und fleucht und was Flora und Fauna ausmacht – soll geschützt werden.

Denn es ist an uns, das Massensterben aufzuhalten. Mit dem Volksbegehren können wir das Gesetz direkt beeinflussen.

Was möchte das Volksbegehren?

  • Steigerung des Bio-Landbaus auf 30 Prozent bis 2030 (jetzt: 10%)

Bio-Landbau hat für die Bauern eine hohe Wirtschaftlichkeit bei geringerem Produktivitätsdruck. Und: Bei uns ist die Nachfrage nach Bio-Produkten sehr viel größer ist als das einheimische Angebot. Bio-Landbau zu fördern, die Natur zu entlasten und ein großes regionales Angebot zu schaffen, ist die dringendste und wirksamste Maßnahme zum Artenschutz.

  • Streifen an Feldern und Gewässern ohne Landwirtschaft

Mehr blühende Areale wie Büsche, Hecken, Feldraine, Biotope und breite „landwirtschaftsfreie“ Randstreifen an Feldern, Flüssen und Seen helfen, damit Insekten, Fische, Vögel und viele anderen Tiere überleben.

  • Weniger Lichtverschmutzung
  • Keine Pestizide in Schutzgebieten
  • Erhalt von Kleinstrukturen und Dauergrünland

Diese und weitere Maßnahmen sollen per Gesetz verankert sein – und damit Wiesen und Weiden als Lebensraum für Insekten und Vögel schützen. Wir Menschen leben mehr im Grünen, können uns gesünder ernähren und uns an einer reichen Flora und Fauna erfreuen.

Dafür muss doch jeder sein!?

Das Leben der Menschheit ist von einer gesunden Natur abhängig. Kritische Stimmen sehen die Bauern zu sehr in die Pflicht genommen und fürchten um deren Einkünfte sowie Erträge. Doch genau dafür ist das Volksbegehren da: Es soll ein gesetzlicher Rahmen geschaffen werden, der es den Bauern erlaubt, Wirtschaftlichkeit und Naturschutz zu vereinbaren!

Bauernverbände und weitere Gruppen machen gerade Stimmung GEGEN das Volksbegehren. Sie behaupten, dadurch würden viele kleine Bauernhöfe sterben. Es ist leider so, dass viele kleine Bauernhöfe bereits gestorben sind. Lange vor dem Volksbegehren, welches sich auch aus diesem Grund explizit für den Erhalt von Kleinstrukturen einsetzt.

Jetzt so zu tun, als würde mehr Umweltschutz die Lage der Landwirt*innen bedrohen, ist falsch. Seit vielen Jahren machen eine verfehlte Agrarpolitik und der Druck der Agrarlobby den Bäuerinnen und Bauern das Leben schwerer. Die Umsetzung des Volksbegehrens ist der richtige Schritt zu einer bitter benötigten Wende in der Agrarpolitik, die auch den Bauern zugute kommt.

Mit einem neuen Umweltschutzgesetz können wir Fördergelder in eine neue Richtung lenken. Das unterstützt all diejenigen Landwirt*innen, die den Weg für mehr Umweltschutz mitgehen – das sorgt auch für eine höhere Wirtschaftlichkeit der Betriebe. Einige Kritiker bemängeln zudem, dass auch Verkehr, Industrie und Gewerbe in den Artenschutz eingebunden gehören. Das ist richtig  – es müssen alle in die Verantwortung kommen und weitere Maßnahmen auf den Weg gebracht werden – das Volksbegehren ist ein wichtiger erster Schritt.

Deshalb bitten wir Sie: Stecken Sie Ihren Personalausweis ein, gehen Sie ins Rathaus und tragen sich für das Volksbegehren ein.

Unser Rathaus in Aying hat dafür sogar extra die Öffnungszeiten verlängert! Sie können das Volksbegehren sogar Samstags unterstützen. Wir Ayinger Grünen unterstützen das Volksbegehren gemeinsam mit 115 bayerischen Verbände, Parteien und Organisationen. Sie möchten mehr wissen, viele detaillierte Informationen gibt es unter: https://volksbegehren-artenvielfalt.de/buendnis-partner/

Bis zum 13. Februar müssen zehn Prozent der Wahlberechtigten– das sind knapp eine Million! – für das Volksbegehren und mehr Artenvielfalt stimmen. Seien Sie dabei!

 

31. Januar 2019, Nortrud Semmler und Ute Häußler

 

 

 

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