Finanzen

Ehrliche Buchführung schafft Sicherheit

Geld ist nicht alles. Es ist einfach, keine Schulden machen, wenn man sein Tafelsilber versetzt – solange man noch welches hat. Um den Ressourcenverbrauch besser in der Haushaltsführung zu berücksichtigen, wurde in Sauerlach mit dem Haushaltsjahr 2010 die “Doppik” eingeführt. Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Strukturelle Verschuldung kennen wir aus eigener Erfahrung. Im Sauerlacher Haushalt war vor rund sechs Jahren ein hoher Schuldenberg aufgelaufen, weil zusammen mit dem Kanalbau auch die Wasserversorgung saniert wurde. Das war nötig geworden, weil über einen langen Zeitraum wenig für die Instandhaltung des Rohrleitungsnetzes getan worden war, und am Schluss durch die Leckstellen viel wertvolles Trinkwasser nutzlos versickerte. Im Gemeindehaushalt machten sich die vorher “gesparten” Reparaturkosten erst dann bemerkbar, als sie unvermeidbar wurden. Als nicht eingeplante Mehrausgaben haben sie dann den Haushalt überlastet und führten zur Kreditaufnahme.

Bei der doppischen Haushaltsführung wird neben den Geldkonten auch der akturelle Wert des gesamten Inventars der Gemeinde Jahr für Jahr bilanziert. Ein laufender Wertverlust im materiellen Bereich macht sich also in der Jahresbilanz bemerkbar, bevor Gegenmaßnahmen konkret zu finanzieren sind. Es ist dem Sauerlacher Kämmerer hoch anzurechnen, dass unsere Gemeinde bereits 2010 auf die Doppik umgestellt hat. Andere Nachbargemeinden wie Otterfing oder Oberhaching haben diesen Schritt auch 2012 noch nicht geschafft (siehe Liste des Innenministeriums).

Bei aller Begeisterung für eine saubere Buchführung dürfen wir aber nicht vergessen, dass sich vieles einer finanziellen Bewertung entzieht. Welchen Wertgewinn erfährt der Gemeindehaushalt, wenn ein Rotmilan-Pärchen mehr in einer ökologischen Ausgleichsfläche brütet? Wie ist der Verlust an Lebensfreude zu bewerten, wenn ein Gewerbebetrieb seine Nachbarschaft durch Lärm und Gestank nervt?

Wenn die Lebensumstände zu Stress und letztlich zu hohen Arztkosten führen. oder wenn hohe Umlagen für Straßensanierungen die Anlieger stark belasten, dann ist das erst einmal kein Problem des Gemeindehaushalts. Aber ein Problem, dessen wir uns in der grünen Kommunalpolitik bewusst sind.