Ayinger Grüne beantragen, dass die Kommune Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommune in Bayern e.V. wird – wozu braucht’s das?

Im April 2021 hat das Bundeskabinett den neuen „Nationalen Radverkehrsplan 3.0“ verabschiedet (Quelle). Darin strebt die Bundesregierung das Fahrradland Deutschland an. Mehr, besserer und sicherer Radverkehr sind dabei das Ziel.
Um das Mehr zu erreichen soll sich in den kommenden neun Jahren die Anzahl der täglich mit Fahrrädern in Deutschland zurückgelegten Strecke auf 240 Millionen Kilometer verdoppeln. Erreicht soll dies dadurch werden, dass durchschnittlich jeder Bürger 180 Tage pro Jahr mit dem Rad fährt und dabei eine durchschnittliche Strecke von sechs Kilometern zurücklegt.
Massive Förderungen des Radverkehrs durch Investitionen in die Infrastruktur und technische Innovationen werden bis 2030 die Rahmenbedingungen erheblich verbessern. Dadurch werden sich mehr Bürger auf dem Rad wohl fühlen und neben Freizeitaktivitäten verstärkt das Rad auch in Alltagssituationen nutzen: zum Beispiel für Wege innerhalb des Dorfes.
Schließlich werden durch Investitionen in sichere Infrastruktur Bedingungen geschaffen, die die Anzahl der im Verkehr getöteten Radfahrer um 40 Prozent senken können.
All diese Visionen auf Bundesebene müssen bis auf die einzelnen Gemeinden heruntergebrochen werden. Das bedeutet, dass auch eine Gemeinde wie Aying sich überlegen muss, wo in ihrem Ortsgebiet kritische Stellen sind, die Radfahren unattraktiv machen oder gar Radfahrer gefährden. Außerdem wollen wir als Gemeinde in der Zukunft von unserer Lage profitieren und durch die Nutzung der bei uns sich kreuzenden Radfernwege touristisch Kapital aus den steigenden Zahlen an Radtouristen schlagen.

Doch wie kann dies gelingen?

Wir haben ein sehr aktives und engagiertes Team an ehrenamtlichen Gemeindebürger*innen, die im Arbeitskreis Mobilität der Agenda21++ angesiedelt sind. Leider ist die Menge an Aufgaben, die in den kommenden Jahren anfallen wird, nicht alleine durch das Engagement dieser Menschen zu stemmen. Hier ist die Gemeinde selbst gefordert. Wichtig ist aber dabei, dass man sich kompetente Hilfe holen muss. Ein Schritt in diese Richtung ist der Beitritt zum Verein „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK)“.
Die Arbeitsgemeinschaft wurde 2012 von 38 bayrischen Kommunen gegründet mit dem Ziel, in ihren Orten die Attraktivität für Fahrradfahrer zu steigern. Inzwischen sind 83 Gemeinden und Landkreise Mitglied in dem Verein.

Und so läuft das Ganze ab:

Nach einer Aufnahme des IST-Zustandes durch externe Experten erhalten wir eine Handlungsempfehlung. Durch die Erstellung eines Konzepts für die Förderung des Radverkehrs werden dann Maßnahmen vorgeschlagen. Die Kommune hat nun vier Jahre lang Zeit, wesentliche Punkte daraus umzusetzen. Dies müssen nicht ausschließlich teure Investitionen in neue Radwege sein. Entscheidend ist vielmehr ein zum Gesamtkonzept passender Mix an Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität und Sicherheit. Die Umsetzung wird nach Ablauf der vier Jahre erneut von einer Kommission im Rahmen einer Zertifizierung geprüft. Im Falle eines positiven Bescheids erhält die Gemeinde für sieben Jahre die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“, die durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (StMB) verliehen wird. In dieser Zeit können weitere Punkte aus dem Konzept umgesetzt werden um dann noch attraktiver zu werden für die weiteren Nachzertifizierungen.
Woraus besteht denn nun die Radverkehrsförderung?
Insgesamt steht die Radverkehrsförderung durch den Verein auf vier Säulen wie die folgende Grafik veranschaulichen soll:

 

Neben den wichtigen Infrastrukturmaßnahmen, wie z.B. dem Bau von Radwegen oder überdachten Abstellflächen für Fahrräder, fallen in den Bereich Service alle Maßnahmen, die eine bequeme und komfortable Nutzung des Fahrrades ermöglichen (z.B. Reparaturservice oder Gepäckaufbewahrung etc.).
Schließlich ist die Säule Kommunikation sehr wichtig da dadurch das Gespräch zwischen Bürger*innen und Verwaltung und Gemeinderat zu einer aufklärenden Öffentlichkeitsarbeit wird. Zu guter Letzt steht die Radverkehrsförderung auch noch auf der Säule der Information. Darunter fällt unter anderem regelmäßige Informationen der Bürger*innen über die Vorteile des Radfahrens und die verbesserten Rahmenbedingungen durch Internet, Broschüren oder Flyer, aber auch die Bekanntmachung von neuen Serviceangeboten, neuen Routen oder neuen Radverkehrsanlagen.
Neben der Verbesserung des Fahrradangebotes in unserer Gemeinde hat die Mitgliedschaft in der AGFK auch noch weiteren Mehrwert zu bieten, der hier nur stichpunktartig aufgezählt werden soll:

  • Interessenvertretung bei Land, Bund und EU sowie anderen Dritten
  • Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern, Zusammenarbeit mit StMB, ADFC, Polizei etc.
  • Beratung zu aktuellen Radverkehrsthemen,
  • ganztägige Seminare mit auf die Kommune abgestimmten Inhalten
  • Finanzierung von nichtinvestiven Projekten mit 80%
  • Bearbeitung von Planfällen mit Expertenteam

Weitere Informationen über den Verein „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V.“ sind zu finden auf der Homepage.

Der Umstieg auf das Fahrrad gerade im Bereich der Nahmobilität ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Erhöhung der Lebensqualität in unserem Dorf, da zum Beispiel weniger Lärm in unseren Wohngebieten anfällt und Radfahren eine sehr gesunde Fortbewegungsmethode für jedes Alter darstellt.
Aber auch zur Erreichung der klimapolitischen Ziele, die sich Deutschland durch den Beitritt zum Pariser Klimaabkommen gesetzt hat.

Externe Hilfe wird uns dabei unterstützen schneller eine fahrradfreundliche Kommune zu werden, daher stellen wir von Bündnis90/DIE GRÜNEN den Antrag zum Beitritt zum Verein!

03. Dezember 2021, Großhelfendorf Franz Klug

Bild von un-perfekt auf pixabay.

Aktualisierung am 04. Dezember: Überschrift geändert.

 

 

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