Bildung – Ein Ganztagskonzept für Aying?

Die Sommerferien gehen zu Ende und für viele Eltern stellt sich nach der Urlaubszeit wieder die Frage: „Wie und wo wird mein bzw. unser Kind an den  Nachmittagen bestmöglich betreut?“

Auch wir Ayinger Grünen beschäftigen uns mit dieser Frage, denn „Bildung“ steht bei vielen Menschen ganz weit oben auf der Liste der wichtigsten politischen Themen.

Genau an diesem Punkt sind wir auch schon mittendrin in dem Dilemma: Bedeutet „Ganztagsschule“ in erster Linie <Bildung> oder geht es „nur“ um <Betreuung>. Was wünschen sich die Eltern unserer Grundschüler*innen im Zusammenhang mit dem fortwährenden Ausbau von Ganztagsschulen konkret für Aying?

Bayernweit gibt es an immer mehr Schulen Ganztagsangebote. Diese ermöglichen nicht nur eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Eltern. Vor allem sollen sie zu mehr Chancengleichheit und der individuellen Förderung aller Schüler*innen beitragen. Doch die Angebote sind sehr unterschiedlich:

Offene Ganztagsschulen (OGS): bieten verlässliche Hausaufgabenbetreuung mit nachmittäglicher Förderung im Anschluss an den Vormittagsunterricht.

Gebundene Ganztagsschulen (GGS): arbeiten prinzipiell mit einem anderen Konzept, der Unterricht ist rhythmisierend eingerichtet und findet mit längerer Unterbrechung zur Mittagszeit am Vormittag und am Nachmittag statt.

Die Mittagsbetreuung: auch die in Aying angebotene „verlängerte Mittagsbetreuung“, ist auf den ersten Blick ähnlich wie die OGS. Nach dem offiziellen Unterrichtsende können die Kinder dort Mittagessen, anschließend werden die Hausaufgaben betreut und es gibt freie Spielzeit unter Aufsicht.

Neben dem Bildungskonzept gibt es allerdings noch viele andere Einzelfaktoren, die sich von Modell zu Modell unterscheiden, etwa die Kosten, die Flexibilität der Buchungszeiten, oder die Anforderung an die Ausbildung des Personals. Die wichtigsten Faktoren haben wir hier gegenübergestellt**:

OGS:
o  an mindestens zwei bis maximal 5 Wochentagen, jeweils bis mindestens 16:00 Uhr buchbar. Die Teilnahme am gemeinsamen Mittagessen ist in der Regel verpflichtend.
o  Das eingesetzte Personal besteht aus pädagogischen Fachkräften (Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Lehrkräften). Dazu kommen weiteres pädagogisches Personal (z.B. Tagespflegekräfte und Personen mit sonstiger pädagogischer Vorbildung) und externe Kräfte aus den Bereichen Kunst, Musik , Sport und Jugendarbeit.
o   Die Mittagsverpflegung muss von den Eltern bezahlt werden, ansonsten ist die OGS kostenfrei.

GGS:
o  Unterricht mindestens an vier Tagen bis 16:00 Uhr. Keine flexiblen Buchungszeiten möglich. Die Teilnahme am gemeinsamen Mittagessen ist verpflichtend.
o  Das eingesetzte Personal besteht überwiegend aus Lehrkräften, die auch am Nachmittag pädagogisch hochwertige Bildungszeit gewährleisten. Dazu kommen weiteres pädagogisches Personal (Sozialpädagog*innen) und externe Kräfte aus den Bereichen Kunst, Musik, Sport und Jugendarbeit.
o   Die Mittagsverpflegung muss von den Eltern bezahlt werden, ansonsten ist die GGS kostenfrei

Mittagsbetreuung:
o   an bis zu fünf Wochentagen jeweils bis 17:00 Uhr oder kürzer buchbar. Eine Teilnahme am gemeinsamen Mittagessen ist freiwillig. Größte zeitliche Flexibilität von allen Angeboten.
o  Zur Betreuung wird pädagogisches Personal eingesetzt. Das können Personen mit einer qualifizierten pädagogische Vorbildung sein, es reicht jedoch auch eine gewisse Vorerfahrung im Umgang und der Betreuung von Kindern. Für die Übernahme in eine OGS oder GGS ist bei manchen Mitarbeiter*innen eine Nachqualifizierung erforderlich.
o  Die Mittagsverpflegung muss von den Eltern bezahlt werden, außerdem kostet die Betreuung je nach Buchungszeit und in Abhängigkeit vom Träger einen bestimmten Monatsbeitrag. In Aying sind das aktuell 75€ bis 14:00 Uhr + 3€ Spiel- und Teegeld; 90€ bis 16:00 Uhr + 4€ Spiel- und Teegeld + 25€ bis 17:00 Uhr, siehe hier: https://www.dorfleben-soziales-aying.de/mittagsbetreuung.html

Für die Kommunen bedeuten die unterschiedlichen Formen ebenfalls ein Mehr oder Weniger an Kosten. Während die Mittagsbetreuung großteils durch die Eltern finanziert wird, basieren staatliche Modelle (OGS und GGS) auf einer Finanzierung durch Land und Gemeinde. Dabei ist es insbesondere bei GGS leider häufig der Fall, dass die staatliche Förderung viel zu kurz greift und Kommunen, die nicht entsprechend finanzkräftig sein, kaum die Lücke schließen können, um zumindest die grundlegendste Form dieses Konzeptes aufrechtzuerhalten. Dieser Umstand brachte deshalb die GGS vielerorts in einen Abwärtstrend, denn um ein derartiges Unterrichtskonzept wirklich gut umzusetzen, müsste der Staat wesentlich mehr investieren. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei der GGS um das einzige Angebot handelt, welches neben längeren Betreuungszeiten in erster Linie ein anderes Unterrichts- und Lernkonzept anbietet. Die GGS stellt deshalb eine echte Alternative zu allen anderen Schulformen im öffentlichen Bereich dar.

Die flexibleren Buchungszeiten und die etwas geringeren Anforderungen an das Personal (es müssen keine Lehrkräfte sein) machen die OGS zu der bei vielen Kommunen beliebteren Alternative, obwohl auch hier mehr Zuzahlung geleistet werden muss als für die Mittagsbetreuung.

Momentan werden die Ayinger Grundschüler*innen direkt nach dem Unterricht im Rahmen der verlängerten Mittagsbetreuung privat durch den Verein Dorfleben & Soziales aufgenommen. Sie bekommen hier ein warmes Mittagessen, werden von teilweise langjährigem Personal betreut und um 16:00 Uhr gewährleistet seit Kurzem ein zusätzlich eingesetzter Schulbus den sicheren Heimweg für alle Kinder, die so lange gebucht haben.

Doch sind unsere Kinder und Familien mit diesem Angebot zufrieden? Oder sollte sich auch unsere  Gemeinde mit Konzepten zum Ausbau der Schule hin zu einer OGS oder GGS als Ergänzung zum regulären Halbtagsunterricht auseinandersetzen?

Wichtig ist nach unserer Auffassung in jedem Fall, dass die Kinder glücklich sind und sich geborgen fühlen, dass sie sich kognitiv, musisch, kreativ und sportlich ohne zusätzlichen Leistungsdruck ausprobieren dürfen, sich dabei ihrer Stärken und Schwächen bewusst werden können und die Unterstützung erfahren, die sie benötigen. Selbstbewusst und gleichzeitig verantwortungsbewusst im Umgang mit anderen – so sollen unsere Kinder einmal die Schule verlassen, unabhängig davon, welche Schulform sie besucht haben.

Eine Idee, herauszufinden, ob Bedarf an Ganztagsmodellen für die Grundschule Aying besteht, wäre eine Umfrage, die zeigt, wie zufrieden Ayinger Eltern mit der Situation sind und was gegebenenfalls ihre Wünsche wären. Auf dieser Grundlage könnten wir uns bei Bedarf im Gemeinderat, in Zusammenarbeit mit der Schule, dem Elternbeirat und dem Verein Dorfleben & Soziales zielgerichtet engagieren.

 

**: Quelle: „Information zum Ganztagsgipfel 2015 des bayerischen Kultusministeriums“. Rot markiert sind die größten Besonderheiten der einzelnen Formen.

 

04. September 2018, Franziska Rehm und Christine Squarra

 

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld