Glyphosat…

…ist ein Breitband- bzw. Totalherbizid, das bewirkt, dass alle Pflanzen, die damit in Kontakt kommen, absterben – es sei denn, sie sind entsprechend gentechnisch verändert. Das bekannteste Mittel ist „Roundup“. Weltweit werden pro Jahr etwa 700.000 Tonnen Glyphosat versprüht. Deutsche Bauern setzten es laut Umweltbundesamt auf 40 Prozent ihrer Felder ein.

Ärzte aus Argentinien, wo Felder mit glyphosatresistenten Sojabohnen aus der Luft besprüht werden, berichten, dass in diesen Regionen immer mehr Menschen unter Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Sehstörungen und Hautproblemen leiden. Seit einigen Jahren gibt es auffallend viele Krebserkrankungen und es werden sehr viele missgebildete Kinder geboren.

Aufsehen erregte Mitte 2018 die Klage eines 46 Jahre alten amerikanischen Hausmeisters und Gärtners, der bis zu 30-mal jährlich „Roundup“ einsetzte und an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. Monsanto, das kurz zuvor von der Firma Bayer übernommen worden war, wurde in erster Instanz zu 289 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt. Auf Antrag Monsantos hob das Berufungsgericht in Kalifornien das Urteil kurz darauf größtenteils wieder auf. Ein neues Verfahren wurde eröffnet. Dieses endete im Oktober 2018 damit, dass der Schadensersatz aus verfassungsrechtlichen Gründen auf knapp 79 Millionen Dollar reduziert wurde. Gleichzeitig wies das Gericht den Antrag von Bayer/Monsanto ab, das Urteil im Kern zu revidieren und das Verfahren völlig neu aufzurollen. Insgesamt sind in den vergangenen Jahren allein in USA 8000 Menschen gegen Monsanto vor Gericht gezogen, weil sie ihre Krebserkrankung auf den Kontakt mit Glyphosat zurückführen. Die Urteile stehen noch aus.

Experten der Weltgesundheitsorganisation sagen, dass Glyphosat wahrscheinlich Krebs erregt. Dieser Verdacht ist nicht ausgeräumt, nicht zuletzt weil bekannt wurde, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung in seiner Begutachtung Daten direkt vom Hersteller Monsanto übernommen hat.

Auch den Bienen macht der Einsatz von Glyphosat zu schaffen: Biologen an der Universität von Austin/Texas haben 2018 herausgefunden, dass Glyphosat die Mikroorganismen im Darm der Insekten dezimiert. Die Bienen brauchen diese Bakterien aber um Nahrung effektiv zu verwerten und um Krankheitserreger abzutöten.

Kein Glyphosat & Co im Garten

Aktuell sind in Deutschland mehr als 100 glyphosathaltige Unkrautvernichtungs­mittel zugelassen, davon  etwa die Hälfte auch für den Haus- und Kleingartenbereich.

Vertrieben werden glyphosathaltige Produkte u. a. in Garten- und Baumärkten. Dort lagern sie im verschlossenen „Gift“-schrank, werden aber gegen Unterschrift und oft ohne Nachfrage, wofür denn das Mittel verwendet werden soll, über die Ladentheke gereicht. Immer wieder kommt es vor, dass das Verkaufspersonal unzureichend oder falsch berät und dass verbotene Anwendungsbereiche wie beispielsweise Gehwege oder Garagentoreinfahrten, da sogenanntes Nichtkulturland, kein Hinderungsgrund für den Verkauf sind.  Im Jahr 2014 landeten laut Umweltinstitut München allein 95 Tonnen Glyphosat in deutschen Haus- und Kleingärten!

Die schlechte Nachricht:
Eine im Jahr 2001 vom Bundesverbraucherschutzministerium beauftragte Studie zeigt, dass rund 90 Prozent der Kleingärtner und etwa 73 Prozent der Hausgärtner Pestizide, Herbizide sowie Insektizide und Biozide einsetzen – letztere zur Bekämpfung u. a. von Insekten. Nach aktuellen Untersuchungen ist die Biomasse der Fluginsekten in den letzten 30 Jahren um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Das dies dramatische Auswirkungen auf die Kreisläufe in der Natur hat, dürfte klar sein.

Die gute Nachricht:
Immer mehr Kleingartenverbände und -vereine untersagen in ihren Gartenordnungen mittlerweile den Einsatz von Breitbandherbiziden wie Glyphosat.
Auch erkennen immer mehr Gärtnerinnen und Gärtner den Wert eines ökologisch bewirtschafteten Gartens. Sie legen Wert auf „ungespritztes“ Obst und Gemüse: der Gesundheit und der Umwelt zuliebe. Das heißt auch, dass es keine Höchsterträge gibt. Und es heißt, dass mehr Handarbeit anfällt: z. B. durch Jäten, Mulchen und durch das Anpflanzen von Misch­kulturen, also Pflanzen, die sich positiv beeinflussen und einander vor Schädlingen schützen. Eine weitere Option ist, die Natur einfach mal Natur sein zu lassen, d. h. weg von „perfekten“ hin zu naturbelassenen Flächen. Um nützliche Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge anzulocken, können Blüh- und Wildpflanzen gesät bzw. angepflanzt und ein steriler Rasen in eine Blumenwiese verwandelt werden. Übrigens: Wildbienenarten sind für die Bestäubung von Pflanzen genauso wichtig wie Honigbienen!

Gärtnern ohne Gift ist eigentlich ganz einfach. Und es ist schön und gesund. Außerdem macht es glücklich!

Fazit:
Es gibt rund 17 Millionen deutsche Haus- und Kleingärten,  die in etwa 930.000 ha umfassen, was etwa 2,6 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands entspricht. Hier macht der Verzicht auf Glyphosat & Co bereits einen kleinen aber feinen Unterschied!

27. Oktober 2018, Nortrud Semmler-Otranto

 

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