Sie duftet zwar nicht nach Rosen, die Gülle im Behälter auf dem Hof, sie riecht einfach nach nichts. Sie ist geruchlos! Frisch ausgebracht auf Feld oder Grünland riecht die Gülle dann wie gut abgelagerter Mist. Ätzende Ammoniak-Ausdünstungen: Fehlanzeige. Außerdem ist die Düngewirkung um ein Vielfaches besser. Nährstoffeinträge in Ober- und Grundflächenwasser gehören der Vergangenheit an.

Zauberei? Nein! Die Gülle wird einfach nur vorbehandelt, so wie es in Deutschland, und hier vor allem im Chiemgau, bereits einige hundert Landwirt*innen machen, die nach den Prinzipien des sogenannten Rosenheimer Projektes (https://www.em-chiemgau.de/ueber-em-chiemgau/projekte/das-rosenheimer-projekt) arbeiten.
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Die Vorbehandlung basiert auf drei Säulen:
1. Säule:
Effektive Mikroorganismen, kurz EM.  Es handelt sich hierbei um eine Mischung von Mikroorganismen, die auch traditionell in der Lebensmittelverarbeitung eingesetzt werden und in der Natur überall verbreitet sind: z. B. Milchsäure- oder Hefebakterien. Dadurch wird Fäulnis und übermäßige Oxidation (z. B. Schimmel) verhindert und es kommt eine positive Fermentation (Sauerkrautprinzip) zustande. EM wurde Anfang der achtziger Jahre in Japan vom Gartenbauprofessor Teruo Higa als Bodenhilfsstoff entwickelt, um Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel schrittweise zu ersetzen.
EM werden in Wasser und Melasse gelöst und regelmäßig in die Güllegrube gegossen.
2. Säule:
Damit sich die EM „festhalten“ können, brauchen sie Urgesteinsmehl, einen Bodenhilfsstoff aus gemahlenem Gestein.
3. Säule:
Pflanzenkohle, die durch pyrolytische Verkohlung rein pflanzlicher Ausgangsstoffe hergestellt wird. Die Kohle wird unter Luftabschluss bei Temperaturen zwischen 275 °C und 1000 °C hergestellt (Pyrolyse). Sie wird in die Gülle eingerührt, die schon nach kurzer Zeit keine Fäulnis mehr aufweist und nicht mehr stinkt. Die Klimagase Ammoniak, Methan, Stickstoff, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff werden durch die Behandlung mit Pflanzenkohle gebunden! Deswegen müssen auch später keine teuren Nährstoffe wie z. B. Stickstoff zugeführt werden.

Die Gewinner sind:
1. die Landwirt*innen, da die so vorbehandelte Gülle ein wertvoller Superdünger ist, denn die Nährstoffe werden nicht mehr in die Luft abgegeben, sondern in den Boden.  Hier arbeiten sich die Wurzeln zur Kohle vor und holen sich die wertvollen Nährstoffe. Ein großer Vorteil ist auch, dass behandelte Gülle bei schönem, trockenem Wetter ausgebracht werden kann und zwar in den wachsenden Pflanzenbestand hinein. Damit gehen die Auswaschverluste gegen Null und das Düngepotential kann maximal ausgenutzt werden. Ein weiterer Vorteil: bei trockenem Wetter wird der Boden durch die Maschinen weniger verdichtet und damit weniger geschädigt.
Da Fäulnisprozesse gestoppt werden, ist eine Belüftungsanlage der Güllegrube nicht mehr notwendig.
2. das Klima, da schädliche Klimagase vermieden werden.
3. die Landbevölkerung, denn wenn die Gülle ausgefahren wird, muss niemand mehr die Fenster schließen oder in Windeseile die Wäsche von der Leine einsammeln.

Eine Schlussbemerkung:
Effektive Mikroorganismen lassen sich, so die eigene Erfahrung, in vielen Bereichen sinnvoll anwenden: im Garten, im Haushalt, aber auch für die Gesundheit!

25. August 2018, Nortrud Semmler

 

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