Was vor 1978 war, kann ich nur schemenhaft beschreiben. Aber dann sehe ich beim Warten auf den Schulbus die Spielwiese vor mir, die Glascontainer in der “Grube”, die einen essigsauren Fruchtgeruch ausströmen. Außerdem sehe ich geheimnisvolle Gestalten hinter dickem Panzerglas, die Begehrliches in einer Schublade durch die Theke schieben: mein kindlicher Erstkontakt mit der Bank. Zudem kommen Erinnerungen an den Kauf eines Grenzsteines im Lager der Raiffeisen in den frühen 80ern, die Pflastersteine vor der Metzgerei und der Besuch eines Friseurs gleich um die Ecke.

Was Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend hervorzaubert, liegt nach wie vor im Zentrum von Großhelfendorf: eine grüne Fläche unter Straßenniveau und mehrere Gebäude, die inzwischen anders genutzt werden oder leer stehen.

1999 hat die Kommune die Möglichkeit ergriffen, das Gelände zu kaufen und im Zuge der Neugestaltung von Regerstraße, Raiffeisenbank und Brunnenhof 2008 die Räume neu zu verwenden: für die Mittagsbetreuung der Schulkinder, für Ferienangebote und für den Verein Dorfleben & Soziales. Auch ein Dorfladen mit angeschlossenem Café war mal im Gespräch, geplant von Bürgern für Bürger.

Erst die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes gab den Denkanstoß, die Ortsmitte neu zu gestalten. Über eine schriftliche Anfrage zur Bürgerversammlung im März 2015 wurden in der Folge über verschiedene Beschlüsse des Gemeinderates Planungsstudien in Auftrag gegeben, Vorstudien erstellt und mögliche Nutzer befragt. Zudem wurden mögliche Fördermittel abgefragt und am Ende der zukunftsfähige Beschluss am 05.06.2018 gefasst, dass die Fläche nicht an einen Investor verkauft werden, sondern über ein verwaltendes Kommunalunternehmen in der Hand der Gemeinde Aying bleiben soll. In einer erstmaligen Bürgerwerkstatt im Dezember 2018 gipfelte dann die Beteiligung der Bürger mit Vorstellung der Anforderungen und Förderung von Ideen.

Wichtige Eckpunkte hierzu:

eine moderate Geschossflächenzahl von 0,8 (Stand 06.03.2018), eine Tiefgarage für die Mieter und Wohneigentümer, Besucherstellplätze sollen oberirdisch angelegt werden. Prozentual wird Wohnen zu Gewerbefläche mit 40/60 geplant. Flächensparend werden Räume gemeinsam genutzt: Gemeinschafts- und Besprechungsräume, Sanitäranlagen und Verbindungsgänge. Zudem wird die Verkehrsplanung mit in die Gebäudeplanung und Flächennutzung einbezogen. Fünf Architektenbüros mit besonderen Referenzen wurden in den Gemeinderat-Sitzungen vom 26.11.2019 und 10.12.2019 ausgesucht und beauftragt, an einem Ideenverfahren teilzunehmen. Räume für den Wasserverband, den AWO Pflegedienst, eine Tagespflege, die Bücherei sowie Möglichkeiten für ein Café, eine Arztpraxis oder Apotheke könnten zusammen mit Wohnungen harmonisch die Dorfmitte gestalten.

Ideen und Anregungen für die Ortsmitte Großhelfendorf zusätzlich zur bereits geplanten und in Gemeinderatssitzungen beschlossenen Nutzung und dem Gebäudeumgriff gibt es sicher noch viele. So könnten z.B. eine öffentlich zugängliche Toilette und barrierefreie Zugänge von den Parkplätzen bis unter das Dach soziale Komponenten sein. Die Mobilitätswende könnte durch kombinierte Elektroauto/Fahrrad-Ladestationen mit unterstützt werden, die Energiewende durch erneuerbare Energien wie Photovoltaik und thermische Solaranlage für Strom- und Wärmeversorgung. Als kommunales Vorzeigeobjekt würden begrünte Flächen vor, neben und hinter den aus nachhaltigem Holz und Stroh erbauten Gebäuden und begrünte Mülltonnenhäuschen den klimaneutralen Charakter widerspiegeln. Wünschenswert ist sicher auch die Reduzierung der bisher durch Parkplätze und Kreis- und Dorfstraßen versiegelten Flächen. So könnte Platz für Fahrräder,  einladende Sitzbänke zum Verweilen, Brunnen zum Plantschen und Sichtachsen für Fußgänger geschaffen werden. Denn leiser Rad-, gesunder Fußverkehr und kurzweiliger Müßiggang sind die Zukunft und machen das Dorf lebenswert. Unser Dorf wird so in der Mitte gestärkt und lebendig gehalten, für und mit den Bürgern.

 

Großhelfendorf, 10. Januar 2020 Andreas Wolf

Quellen:
 

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