Die AfD wurde in Thüringen zur zweitstärksten Kraft. Bei jungen Menschen war sie zweitstärkste Partei.

Welche Botschaft ist besorgniserregender?

Ich meine, die Zweite. Denn sie zeigt, dass es jenseits von Fridays for Future auch jene jungen Menschen gibt, die, aus welchen Gründen auch immer, dem völkischen Gedankengut eines Björn Höcke anhängen. In welcher Realität leben solche jungen Menschen, dass sie gegenüber Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungstheorie derart empfänglich sind? Als eine Generation, die jenseits des Gefühls vom Abgehängtsein, das allzuoft in eine Opferkultur mündet, mehr Möglichkeiten hat als jede Generation vor ihr?

Und ist diese Dynamik nur eine des Ostens?

Folgendes kam mir dazu erneut in den Sinn:
Mitten in einer lauen Sommernacht des Jahres 2019 schreckte ich aus dem Schlaf auf, weil ich auf der Straße ( wir wohnen direkt an der Münchner Straße neben dem Spielplatz) lauthals die Stimme eines jungen Mannes hörte, der „Heil Hitler“ schrie. Das war um drei Uhr in der Nacht, also sicher kein Gast in einem der Betriebe des Ortszentrums.

Ich horchte mit klopfendem Herzen, ob da noch was nachkommt. Dem war nicht so, und ich schlief wieder ein.

Aber auch altersunabhängig besteht durchaus Grund zur Besorgnis. Vor einigen Monaten wurde in Peiss ein Plakat, das für Toleranz und Vielfalt warb und zwei Männer zeigte, die offenkundig ein Paar waren, mutwillig beschädigt, es wurden Teile herunter gerissen, so dass das Motiv nicht mehr erkenntlich war.

Zwei Ereignisse in einem prosperierenden Ort im Speckgürtel von München, der kaum Verlierer und Abgehängte kennt und sich was einbildet auf ein zwar ländliches, aber auch liberales Image zwischen Bodenständigkeit und Weltoffenheit.

Zwei Ereignisse, die zeigen, dass sich im Lande was verändert und dass wir jenseits von Ökologie und Umweltbewusstsein vor allem auch ein gesellschaftliches Bewusstsein hochhalten müssen: Achtsam sein gegenüber Intoleranz und Rassismus, offensives Eintreten für Minderheiten, Vielfalt, Toleranz, für eine lebendige Demokratie, die auch in Aying kein geschenkter Selbstläufer ist, sondern gelebt und verteidigt werden muss.

 

Florian Fritz

 

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