Wie jeder von uns zu mehr Artenvielfalt beitragen kann

Es ist Frühling und die Natur sollte brummen. Die Insekten laufen für gewöhnlich zu ihrer Hochform auf. Nach einem langen Winter beginnt der neue Lebenszyklus und viele Solitärbienen und Wespen haben nur wenige Wochen Zeit, sich zu paaren und  ihre Bruthöhlen für die nächste Generation zu suchen und anzulegen. Dann noch die Eier ablegen und mit Pollen versorgen und das eigene Leben der heurigen Generation vieler Insekten endet bereits bis Juni.

Doch die Beobachtungen der Insektenforscher des Entomologischen Vereins Krefeld zeigen in Deutschland eine dramatische Entwicklung.  Die Biomasse an Insekten ist in Deutschland in den letzen 27 Jahren um mehr als 75 % zurückgegangen (Quelle).

Dies hat dramatische Auswirkungen auf unsere Umwelt und auch auf uns Menschen. Die Insekten bilden im Sommer die wichtigste Futtergrundlage für viele Vogelarten wie z.B. Blaukehlchen, Mehlschwalbe oder Dorngrasmücke zur Aufzucht ihrer Jungen. Aber auch unsre Obst und Gemüsepflanzen brauchen zur Bestäubung neben den Honigbienen die Wildbienenarten. Denn besonders an kalten Frühlingstagen erfolgt keine Bestäubung durch Honigbienen, da diese erst ab 10 Grad Außentemperatur  fliegen können. Hummeln dagegen starten schon ab 2 Grad und Wildbienen wie die Gehörnte Mauerbiene starten bei 4 Grad Celsius.

Gerade für Früchte wie Johannisbeeren ist die Bestäubung durch Wildbienen von sehr großer Bedeutung, da die Blütezeit im April oft noch mit sehr niedrigen Temperaturen verbunden ist.

Da die konventionelle Landwirtschaft aufgrund des sehr großen Preisdrucks gezwungen ist, möglichst günstig zu produzieren, mussten Randstreifen und Steinhaufen im Zuge der Vereinheitlichung von Flächen und schnelleren Bewirtschaftung weichen. Hektargroße Mais- und Weizenkulturen prägen heute das Landschaftsbild rund um unsere Dörfer. Zur Schädlingsbekämpfung muss auf diesen großen Flächen massiv auf Insektizide und Fungizide zurückgegriffen werden um die Kulturpflanzen bis zur Ernte vor natürlichen Fressfeinden zu schützen. All dies führte dazu, dass unsere Kulturlandschaft immer monotoner wurde: mit fatalen Folgen für die Insektenwelt.

Eine wissenschaftliche Studie, veröffentlicht in der „The Royal Society“ aus dem Jahre 2016 kommt zu dem Schluss, dass die Lebensbedingungen für Wildbienen inzwischen in Städten wie Halle an der Saale besser sind als auf modern genutzten landwirtschaftlich Flächen außerhalb der Stadt (Quelle).

Doch so hoffnungslos muss es nicht sein, denn immer mehr Landwirte und Landwirtinnen haben die Lage erkannt, versuchen, daraus Konsequenzen zu ziehen. Außerdem können wir alle aktiv werden.  Gerade in dörflich geprägten Landstrichen wie Aying mit vielen Wohneinheiten mit Garten, kann jeder von uns etwas für die Insekten tun! Haben Sie schon mal nachgedacht, in Ihrem Garten Platz für Wildbienen zu schaffen? Es braucht nicht viel dazu. Hier kommen ein paar einfache Beispiele, wie man mit wenig Aufwand die Artenvielfalt im eigenen Garten erhöhen kann.

Eine der eindrucksvollsten und farbenprächtigsten Wildbienen ist die „Rotpelzige Sandbiene“. Hier sieht man sie beim Bestäuben einer Johannisbeere in meinem Garten:

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Der benötigte Lebensraum für diese wunderschöne Wildbiene ist denkbar unkompliziert. Sie gräbt zur Ablage ihrer Eier 40 Zentimeter lange Gänge in losen Sand. In Seitengängen werden dann die Eier abgelegt und mit Pollen versorgt.  Eine trockene sonnige Stelle im Garten kann also leicht dafür genutzt werden um ein entsprechendes Loch auszuheben, mit Sand zu füllen und mit einem Steinhaufen zu bedecken. Innerhalb kürzester Zeit nehmen diese Bienen die Stelle in Besitz.

Ein solcher einen Steinhaufen kann zum Beispiel wie folgt aussehen:

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Wichtig ist dabei, auf eine ausreichende Größe der Steine zu achten. Steine mit mehr als 25 Zentimeter schaffen auf dem Steinhaufen Hohlräume, in denen sich Eidechsen und Spinnen verstecken können. Im Winter bietet das auch einen beliebten Rückzugsort für Erdkröten. Außerdem wachsen durch die Ritzen viele trockenliebende Pflanzen wie der Scharfe Mauerpfeffer.

Weitere leicht im Garten anzusiedelnde Wildbienen sind die „Roten Mauerbienen“. Diese benötigen oft nur einfache Nisthilfen. Oftmals werden diese als Insektenhotels beworben. Man sollte jedoch darauf achten, wie so ein Insektenhotel zusammengestellt ist. Nicht jedes davon ist wirklich eine Hilfe für  die Insekten. Zu große Löcher wie sie oft bei Bambusröhrchen angeboten werden, können die Insekten nicht nutzen. Wer will, kann sich das Geld auch sparen und selbst Hand anlegen und mit einfachen Mitteln für Nisthilfen sorgen. Als Beispiele möchte ich hier folgende Bilder zeigen, Beispiele für kostenlose Nisthilfen:

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Immer noch findet man in vielen Gärten Forsythien, eine Pflanze, die leider keinen Pollen für unsere Bienen bildet und daher von diesem Standpunkt aus wertlos ist. Doch die einjährigen kräftigen Triebe sind eine kostengünstige Nisthilfe für Wildbienen. Sie sind innen hohl. In zehn Zentimeter lange Stücke geschnitten und gebündelt mit Schnur oder Draht werden sie schnell zu einem Hotel für Mauerbienen.

Auch Kanthölzer eignen sich sehr gut als Bienenhotel. In unregelmäßigen Abständen 4-8 Millimeter große Löcher gebohrt, ergibt das eine wunderbare Nisthilfe. Bitte achten Sie darauf, die Ränder der Löcher zu glätten, damit sich die Bienen nicht daran die Flügel verletzen.

Auch eine einfache Baumscheibe kann eine gute Nisthilfe sein:  in das Holz Löcher bohren und auf einem geschützten Platz anbringen und Geduld haben. Die Holzscheibe auf dem Bild steht nun schon seit 8 Jahren an diesem Platz. Inzwischen werden jährlich zirka zwei Drittel der Löcher regelmäßig genutzt.

Kennen Sie den Ausdruck Totholz? Klingt nicht sehr einladend oder? Totholz ist aber nicht tot, in kaum einem anderen Lebensraum leben so viele verschiedene Tiere, Pflanzen und Pilze auf so kleinem Raum. Durch den langsamen Zersetzungsprozess entsteht ein Lebensraum für eine riesige Anzahl an Insekten. Sicher haben Sie auch in Ihrem Garten ein Eck, in dem Sie einfach Holzreste, die im Zuge eines Baumschnittes anfallen, ablegen können. Die Natur übernimmt im Laufe der Jahre die Entsorgung und wandelt dies in Kompost um.

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Neben den Nisthilfen ist es jedoch auch wichtig, den Insekten Nahrung zur Verfügung zu stellen. Dabei hilft es, eine möglichst große Anzahl an unterschiedlichen Wildblumen im Garten wachsen zu lassen. Der vielzitierte englische Rasen ist das nicht. Eine grüne Einöde im Garten bietet den Insekten keine Nahrung. Nicht jeder will und kann in einem Garten mit Wildblumen leben. Doch haben Sie sich schon mal gedacht, ob Sie nicht einen Randstreifen aus ihrem Garten Ihren sechsbeinigen Mitbewohnern als Nahrungsquelle zur Verfügung stellen? Einfach die Grasnarbe abtragen und eine Wildblumenmischung aufbringen und zusehen, was dabei entsteht! Es ist spannend. Vielleicht haben Sie am Anfang den Eindruck, es wäre ungepflegt, doch sie haben dadurch einen neuen interessanten Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen geschaffen.

Ein schönes Beispiel wie sich Wildbienen Ihren Garten zu Nutze machen, wenn man es zulässt, zeigt das folgende Video. Eine „rostrote Mauerbiene“ hat ein verlassenes Mauseloch zu ihrer neuen Heimat umfunktioniert und verbirgt gerade den Eingang mit trockenen Grashalmen um darin ungestört ihre Eier abzulegen:

Und wenn Sie gerne Tiere in Ihrem Garten beobachten, dann habe ich noch ein schönes Beispiel:

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Zwei Schnecken bei der Paarung auf einem kleinen Ast. Wie Sie sehen: ein Garten kann voller Überraschungen stecken. Man muss es nur zulassen. All diese Aufnahmen entstanden an einem Wochenende in meinem Garten. Und noch ein Hinweis für alle unter uns, die Angst vor Insektenstichen haben. Die allermeisten Wildbienen stechen nicht!

Vielleicht wollen Sie einzelne Anregungen ausprobieren? Ich freue mich, wenn wir gemeinsam eine neue Vielzahl an kleinen Lebensräumen für unsere Insekten und anderen tierischen Mitbewohner  schaffen!

 

Großhelfendorf, 03. Mai 2020 Franz Klug

 

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