Für ihren unermüdlichen Einsatz zur Verbesserung im öffentlichen Personennahverkehr im Rahmen der Initiative S7Ostplus wurde unser Mitglied Nortrud am 28. November 2019 vom Landrat mit einer Ehrenurkunde und der goldenen Ehrennadel des Landkreises München ausgezeichnet. Hier haben wir bereits eine Kurzmeldung dazu veröffentlicht.

von links: Jürgen Stanke, Nortrud, Landrat Christoph Göbel.

Unser Grüne Gemeinderat Andreas Wolf dazu: “Durchhaltevermögen, Ausdauer und jede Menge Hartnäckigkeit zeichnen unser Mitglied des Ortsverbands Grüne Aying und langjährige Verkehrs-Expertin der Initiative S7 Ost Frau Nortrud Semmler-Otranto aus. Daher freut es mich als Gemeinderat sehr, dass pünktlich zur ersten Stufe der MVV Reform, auch die Wertschätzung vom Landkreis direkt kommt. Die Bemühungen aus unserer Gemeinde, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken, indem die Preisgestaltung, die Verbindungen und die Pünktlichkeit verbessert werden, gehen seit Jahren von der Initiative S7 Ost aus. Nortrud hat hierzu einen erheblichen Teil geleistet. So verschlingen Workshops mit den S-Bahn Verantwortlichen, Vorträge mit externen Bahn Experten und Veröffentlichungen in verschiedenen Medien Zeit und Geduld, um endlich die angemessene Förderung und Aufmerksamkeit zu erreichen, die der öffentliche Nahverkehr, auch und gerade jetzt, in der Diskussion um Klimaneutralität, Energie- und Mobilitätswende benötigen: Es muß sich noch viel verändern, damit seine Attraktivität und Beliebtheit unter den Bürgern das private Auto ersetzt, die Belastungen des Pendlerverkehrs durch die Rosenheimer Landstraße abnimmt und es selbstverständlich wird, auch zwischen den großen Ortsteilen der Gemeinde Aying das Angebot von Bahn und innerörtlichem Busverkehr zu nutzen. Herzlichen Dank daher an unsere Nortrud  für den unermüdlichen Einsatz bei den Initiative S7 Ost Treffen, den unzähligen Stunden, die für die Pressearbeit notwendig waren und den kritischen Fragen, wenn die detaillierten Argumente der unabhängigen Bahnexperten auf den Prüfstand bei Treffen mit Bahn-Vertretern kamen.”

 

Nortrud, Du bist ja schon lange gesellschaftlich sehr engagiert. Wieviele Auszeichnungen hast Du bereits bekommen?

Ich habe mir nach meiner Journalistinnenausbildung bewusst eine damals sehr unkonventionelle und politische Redaktion im Bayerischen Rundfunk ausgesucht: das „Notizbuch“, das von Franz-Josef Strauss wenig liebevoll „Das rote Gift des BR“ genannt wurde. Andere nannten es später das „Flagschiff des BR“. Und so blieb es nicht aus, dass ich mich nach den Atomkatastrophen von Harrisburg, 1979, und dann Tschernobyl, am 26. 4. 1986, u. a. dieser damals noch sehr kontrovers diskutierten Thematik zuwandte. Ein Freund von mir, Physiker im Max-Planck-Institut, machte nach Tschernobyl nachts im Institut heimlich Messungen; die Ergebnisse – die das widerlegten, was die Staatsregierung verlautbarte – durfte ich publizieren. Um es kurz zu machen und auf den zweiten Teil deiner Frage zu kommen: ich habe bisher nur Negativ-Auszeichnungen erhalten. Ganz besonders, weil auch existenzbedrohend, ist mir die Reaktion des damaligen bayerischen Energieversorgers auf eine Reportage in Erinnerung. Es ging um die allwöchentlichen „Sonntagsspaziergänge“ atomkritischer Bürger*innen um das Zwischenlager Gorleben herum. Ein Pastor sagte mir ins Mikrofon, dass er persönlich es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne, jemandem, der in einem Akw arbeitet, den Segen zu geben. Und dieser Satz ging über den Sender! Daraufhin war die Hölle los: der Energieversorger, ich glaube, es waren zu der Zeit die Isar-Amperwerke – in Bayern waren gut 60 % des Stroms Atomstrom – wollte, dass ich aus dem Sender entfernt werde. Was nicht geschah, weil sich viele Kolleg*innen für mich einsetzen. Zur Thematik durfte ich dann noch viele Berichte machen: u. a. viele Jahre lang am 26. April eine einstündige Tschernobyl-Gedenk-Sendung (da ging es später auch um regenerative Energien), ich durfte über geplante Zwischen- und Endlager berichten und den Widerstand in der Bevölkerung. Immer wieder bekam ich von Wissenschaftlern oder von Menschen, die in Reaktoren  arbeiteten, Unterlagen zugespielt, die der offiziellen Es-ist-alles-in-Ordnung-Version widersprachen. Und: nach sorgfältiger Prüfung durfte ich veröffentlichen. Die Folge: es gab immer wieder Ärger und keine Ehrennadel! Und da für mich berufliches Engagement und private Einstellung immer zusammengehörten, war ich natürlich auch sehr aktiv u. a. in der Anti-Atom-Bewegung.

War diese Auszeichnung durch das Landratsamt eine Überraschung für dich? Wie hast Du erfahren, dass Du geehrt wirst?

Überraschung ja, da ich nicht in solchen Kategorien denke und arbeite. Erst wusste ich gar nicht, worum es überhaupt geht, weil da nicht explizit die S-Bahn-Initiative genannt wurde. Den Brief aus dem Landratsamt, den hab’ ich anfangs auch noch verschlampt. Und wenn wir schon bei „Überraschung“ sind: überraschend und beglückend war für mich, dass im Landratsamt nur Bio-Essen serviert wird.

Wir freuen uns sehr, dass Du bei den Grünen bist und Dein Expertinnenwissen mit dem OV und darüber hinaus teilst. Solange wie man denken sollte, bist Du aber noch nicht Mitglied. Wieso dann doch noch ein Parteieintritt?

Ja, anfangs war ich nur als sogenannte Unterstützerin dabei. Und da mir das Team so gut gefiel, mich beeindruckte, wie konstruktiv, sachbezogen, kenntnisreich, ehrlich  aber auch persönlich und auch manchmal emotional Themen behandelt wurden, habe ich mir einen Schubs gegeben, habe ich das getan, was ich nie tun wollte: ich bin in eine Partei, die Grüne Partei, eingetreten. Und heute noch bin ich über diesen Schritt froh!

Zum Abschluss: Mit welche*r Politiker*in würdest Du gerne eine Modelleisenbahn bauen?

Mit niemandem! Aber ich kann mir gut vorstellen, mit Annalena Baerbock einen riesigen bunten Drachen zu bauen, so einen, der sich so richtig in den Wind hineinlegt.

Peiß, den 20. Dezember 2019 Interview: Katharina Natuzzi

 

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