Nachhaltige Mode

Wenn ich mich bei meinen Schüler*innen erkundige, wo sie und wie oft sie Kleidung erwerben, höre ich nicht selten die Namen bekannter Boutiquen, die dafür werben trendy, angesagt und extrem billig zu sein. Nicht selten treffen sich die Jugendlichen einmal wöchentlich zum saisonalen Shoppen.

Doch ist längst nicht nur unsere Jugend dem Fast Fashion Trend verfallen: in Deutschland wurden im Jahr 2018 Kleidungsstücke im Wert von 4,8 Milliarden gekauft, wofür die Käufer*innen allerdings rund 64,9 Milliarden Euro ausgaben.

Wir tragen unsere Kleider nur noch halb so lang wie noch vor 15 Jahren, da wir uns immer wieder dem Rausch schnelllebigen extensiven Konsums hingeben, der eben heutzutage ganz normal ist. Massenware strömt geradewegs in kürzesten Zyklen in die Geschäfte. Der Onlinehandel heizt den extensiven Konsum nochmals an. Alles ist nur einen Klick entfernt, extrem herabgesetzt und schnell vor der Tür. Eine kostenlose Rücksendung ist jederzeit möglich.

Die Folge: Da wir unsere Kleidung nur kurz tragen, nicht mehr pflegen und letztlich kaum noch wertschätzen, landen jährlich 1 Million Tonnen Textlilien in der Altkleidersammlung. Ein Großteil davon wird nicht gespendet, sondern exportiert und z.B. in Lateinamerika oder Afrika verkauft. Damit wird allerdings die lokale Produktion in den Empfängerländern geschwächt.! Ein geringer Anteil der Altkleider wird zwar recycelt, aber es entstehen jedoch selten Fasern für neue Kleidung. Hauptsächlich werden aus alten Kleidungsstücken kurzlebige Putzlappen oder Malervlies produziert. Große Modekonzerne bleiben zudem auf Bergen von Kleidung sitzen und vernichten diese aus Kostengründen lieber im großen Stil – so entsteht noch mehr überflüssiger Abfall, der die Umwelt belastet.

Doch nicht nur weggeworfene Kleidung stellt ein großes Problem dar. Seit über 50 Jahren besteht der Großteil neuer Textilien aus Kunstfasern. Werden diese Kleider in der Maschine gewaschen, lösen sich hunderttausende von Mikrofasern und gelangen in unsere Meere. Der Verzicht auf Plastiktüten kann dies keineswegs aufwiegen, denn umgerechnet wirft so jede*r Deutsche über das Maschinenwaschen jährlich über 50 Plastiktüten in die Ozeane. (Mikrofaser aus Kleidungsstücken belasten die Ozeane , Greenpeace.de , Februar 2017) 

Der Konsum von Fast Fashion unterstützt also insgesamt das Verschwenden wertvoller Ressourcen wie Baumwolle, Öl und Wasser, die Ausbeutung der Arbeiter*innen in den Produktionsländern, häufig auch die schlechten Arbeitsbedingungen in diversen Filialen und schadet unserer Umwelt enorm.

Wir Konsument*innen in Aying müssen uns dem Kauf- und Wegwerfkarussell  jedoch nicht ausliefern!

Ein erster Schritt ist, unsere Kleidung wieder mehr wertzuschätzen und zu pflegen und uns dem Ruf nach „neuester Mode“ lässig entgegenstellen. Packt uns dann doch ab und zu die Shopping-Lust oder brauchen wir tatsächlich ein neues Kleidungsstück, können wir im Sozialkaufhaus Allerlei oder in den Schränken von tauschwilligen Freunden und Freundinnen stöbern. Oder wir fahren mit der Bahn gemütlich in die Münchner Innenstadt und kaufen in Natur- und Fairtrade-Geschäften oder auf den zahlreichen Flohmärkten umwelt- und sozialverträgliche Kleidung. Zwar zu höheren, aber eben fairen Preisen. Das Tragegefühl, welches aufgrund der hohen Qualität aber vor allem wegen des guten Gewissens entsteht, überzeugt und entschädigt – versprochen! Sind unsere Kinder aus der Kleidung herausgewachsen, können wir diese jüngeren Kindern aus der Schule, dem Freundeskreis oder der Nachbarschaft schenken, dem Kaufhaus Allerlei spenden oder zum Verkauf auf den regelmäßigen Basaren in unserer und den Nachbargemeinden anbieten.

Und Achtung, liebe Einkäufer*innen! Auch politisch tut sich was: Unser Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) möchte in den nächsten Wochen das Gütesiegel „ Grüner Knopf“einführen. Zehn deutsche Firmen, die Kleidung sozial- und umweltverträglich produzieren, sollen vorgestellt werden und das von staatlicher Seite kontrollierte Siegelnutzen dürfen. Mit diesem Label will der Minister eine klare Differenzierung zwischen nachhaltiger und konventioneller Produktion am Markt gewährleisten. Leider soll auch das neue Textilsiegel auch nur freiwillig sein. Gesetzlich verankerte Richtlinien stehen unserer Meinungnach aus.

Aying, 08. Juli 2019 Franziska Rehm

 

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