08. März 2020 – Tag der Frauen

Der 08. März jeden Jahres markiert seit über hundert Jahren den Internationalen Frauentag/Weltfrauentag/Internationalen Frauenkampftag. Verschiedene Bezeichnungen, die alle für die Geschichte des langen Kampfes für die Rechte der Frauen stehen, in allen Ländern weltweit; für die Kämpfe, die zahllose Frauen unterschiedlicher Nationen bereits durchgefochten haben, aber auch für den Weg, den sie noch vor sich haben.

Internationale Vorreiterinnen setzten sich ein für

  • das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung
  • das Recht auf ein gewaltfreies Leben
  • das Recht zu wählen und gewählt zu werden
  • das Recht, eine Ausbildung oder ein Studium machen zu dürfen
  • das Recht, eine angemessene Entlohnung zu erhalten
  • das Recht auf freie berufliche Entfaltung
  • das Recht, sich frei zu äußern
  • das Recht, gehört zu werden
  • das Recht, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, zu lenken und aus eigener Entscheidung reisen zu dürfen

Was haben unsere Vorfahrinnen und Weggefährtinnen durch ihr Engagement erreicht, von dem Frauen und Mädchen von heute profitieren können?

  • 1903 genehmigte Bayern Frauen den Zugang zum Studium, nachdem z.B. 1880 die erste Frau in Leipzig ihr Medizinstudium abgeschlossen hatte.
  • 1918 durften Frauen in Deutschland das erste mal das passive und aktive Wahlrecht ausüben.
  • Seit 1972 dürfen Frauen in Deutschland einen Arbeitsvertrag selbständig abschließen.
  • 1976 wurde das erste deutsche Frauenhaus in Berlin gegründet.
  • 1996 trat das Bayerische Gleichstellungsgesetz in Kraft
  • Seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar.
  • 2001 trat in Deutschland das Gewaltschutzgesetz in Kraft, das Frauen ermöglicht, sich gegen die Gewalttätigkeiten ihrer Partner zu schützen.
  • 2008 wurde Johanna Rumschöttel (SPD) als erste Frau Landrätin des Landkreises München.
  • 2013 wurde die <Interventionsstelle Landkreis München> (ILM) installiert, die Frauen (und auch Männer) im Fall von Partnergewalt berät und unterstützt.
  • 2014 wurden in fünf der 29 Kommunen des Landkreises München Bürgermeisterinnen gewählt (Gräfelfing, Haar, Höhenkirchen-Siegertsbrunn,  Pullach, Sauerlach), die bis heute im Amt sind.
  • 2016 wurde im Landkreis München das erste eigene Frauenhaus gegründet. (Quelle) Mehr Informationen zum Frauenschutz im Landkreis hier.

Die Vereinten Nationen setzten sich seit 1975 weltweit konsequent und mit prominenter Unterstützung für die Rechte von Frauen ein: für den Schutz vor Tötungen, für Arbeitsschutzgesetze, für Zugang zu Bildung, im Kampf gegen die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung, zum Schutz der Gesundheit von Frauen, insbesondere vor Aids, für Schutz auch in privaten Räumen, z.B. vor einer Zwangs- oder Kinderehe.

Wir leben im Jahr 2020! Welche Ziele müssen Frauenrechtlerinnen und Feminist*innen immer noch verfolgen?

  • Frauen sind in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens weiterhin unterrepräsentiert, wie in              leitenden Positionen der Verwaltungen, der Wirtschaft, der Kultur und in der Politik.
  • Der gender pay gap liegt in Deutschland bei 21 % , das bedeutet, dass der durchschnittliche Bruttostundenverdienst 2018 um 21% niedriger lag als der von Männern. (Quelle) Mehr Hintergrund zur Berechnung des Gender Pay Gaps hier.
  • Frauen bilden den größeren Teil der in Niedriglohnbereichen Beschäftigten, ebenso wie der in Teilzeit und geringfügig Beschäftigten. Öfter als gleichaltrige Männder arbeiten sie in Bereichen, die strukturell schlechter bezahlt sind, wie z.B. im Care- oder Bildungsbereich.
  • Altersarmut ist in Deutschland weiblich, da Frauen ihre Rentenanwartschaften aus soziostrukturellen Gründen nicht ausreichend aufbauen konnten.
  • Die Haus-, Familien- und Pflegearbeit wird in Deutschland überwiegend von Frauen geleistet und diese wird gesellschaftlich nicht honoriert.
  • Medizinische Forschung richtet sich überwiegend an Männern aus und vernachlässigt den weiblichen Körper und dessen Bedürfnisse.
  • Frauen mit Migrationshintergrund sind mehrfach benachteiligt und zusätzlich von wachsendem Rassismus betroffen.

Trotz verbesserter sozialer Infrastruktur wie den Angeboten an Kitas, Schulen, Horten und des Rechtsanspruchs auf einen entsprechenden Betreuungsplatz für die Kinder einer Familie, müssen die meisten Frauen den Spagat zwischen Familie und Beruf bewältigen, verschärft durch einen lanfdesweitel Mangel an guten Ganztagsschulen und dem hartnäckigen Mythos der vermeintlich besseren Individualerziehung durch die Mutter. So bleibt den Frauen die Aufgabe, Familie und Beruf manchmal mehr schlecht als recht miteinander zu vereinbaren. Zeit und Kraft, sich auch noch in die Entwicklung der Gesellschaft einzubringen, bleibt meist kaum übrig.

Dennoch sind die  Erfahrungen und Kenntnisse von Frauen in den gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen so eminent wichtig! Eine Demokratie ohne die Beteiligung von Frauen ist keine Demokratie, sondern eine fortbestehende einseitige Regentschaft von Männern, die das Sagen haben.

Deshalb ist auch die Beteiligung der Frauen an der anstehenden Kommunalwahl 2020 so wichtig!

Unsere Grünen Frauen! Von links nach rechts: Katharina Natuzzi, Yvonne Jurisch, Franziska Rehm, Nortrud Semmler-Ptranto, Christine Squarra, Julia Jaman, Ragnhild Eßwein-Koppen-Koppen, Snezana Anastasijevic

Betrachten wir aber z.B. die Gemeinderatslisten, die in diesem Frühjahr in der Gemeinde Aying auf den Stimmzetteln stehen, so sehen diese leider auch wieder überwiegend sehr „männlich“ aus: Insgesamt sind von 84 Kandidierenden lediglich 26 weiblich, 11 davon auf der Grünen Liste.  Erstmalig bewerben sich für das Bürgermeisteramt immerhin neben 3 Männern auch 2 Frauen! Auch im noch amtierenden Gemeinderat sind von 16 Sitzen nur drei von Frauen besetzt.

Diese Entwicklung zeigt meiner Meinung nach, dass Frauen durchaus interessiert sind an politischer Arbeit, aber ein tatsächliches Engagement  ist ihnen oft erst möglich, wenn sie die Familienphase größtenteils abgeschlossen habe, wenn sie keine Kinder oder zu pflegende Angehörige haben, um die sie sich regelmäßig kümmern müssen. Gleichzeitig meine ich, dass politische Gremien einen zu männlichen Umgangs- und Kommunikationsstil pflegen, der Frauen bewusst nicht einbezieht, weshalb berechtigte Interessen und Einwände von Frauen zu wenig Gehör finden.

Das zeigt aus meiner Sicht, dass Politik und die Strukturen für das Engagement von Frauen in der Politik einen Kulturwandel erfordern:

  • Frauen muss deutlich signalisiert werden, dass Parteien, Gremien und Interessengemeinschaften Bedarf an ihrer Mitarbeit haben und
  • Frauen müssen Zeit haben können, um sich dort zu engagieren.
  • frauenspezifischen Lebenssituationen, wie z.B. Geburt eines Kindes und der damit erforderliche erhöhte Betreuungsbedarf, müssen im politischen Alltag berücksichtigt werden .

Genau hierzu haben die bayerischen GRÜNEN einen Dringlichkeitsantrag im Landtag eingebracht, den wir Ayinger Grünen aus vollem Herzen unterstützen: “Mehr Frauen in die Kommunalparlamente: Vereinbarkeit von Familie und kommunalem Ehrenamt stärken”.

Weitere Informationen zu Grüner Frauenpolitik hier.

 

Es gibt noch viel zu tun – bleiben wir dran!

Aying, 08. März 2020 Ragnhild Eßwein-Koppen

 

 

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