Jalil ist Ingenieur in einer Münchener Klinik und war einer der ersten, der die Möglichkeit zur Impfung hatte. Er hat bereits beide Impfungen gegen COVID-19 hinter sich.  Er hat also das bereits erlebt, worauf viele sehnsüchtig warten und worauf andere mit großer Skepsis und Misstrauen schauen. Da wir es wichtig finden, gelebte Realität sprechen zu lassen, haben wir ihn danach gefragt, wie es war.
Jalil, erst einmal vielen Dank für die Bereitschaft zum Interview. Wie kamst Du zu Deinem Impftermin?
Die Impfung ist bei meiner Arbeit freiwillig und ich habe den Termin recht schnell bekommen. Mein erster Impftermin war bereits etwa 25 Tage nach der Genehmigung des Impfstoffs in Europa, weil ich in einer Universitätsklinik beschäftigt bin. Fast alle meine Kolleg*innen haben die Impfung vor mir bekommen, weil sie als Ärzt*innen eine höhere Priorität haben. Es war die Entscheidung der Klinikleitung, wie die unterschiedlichen Prioritäten festgelegt werden, z.B. ärztliches und pflegerisches Personal mit direktem Kontakt zu Corona-Patient*innen, medizinisches Personal aus anderen Abteilungen, Reinigungspersonal und sonstiges Personal. Ich bin froh, dass ich geimpft bin und würde dies allen empfehlen.
Dauerte die Impfung und das Drumherum (Anmeldung, Datenaufnahme, etc.) lange?
Nicht länger als andere Impfungen. Jede Impfung mit Registrierung dauert ca. 15 Minuten. Nach der Impfung sollte man noch ca. 15 Minuten bleiben, falls jemand eine Allergie gegen die Impfung hat, bekommt er sofort medizinische Hilfe. Ich habe jedoch bei keiner Person eine allergische Reaktion gesehen.
Hattest Du Nebenwirkungen?
Ich habe zwei Impfungen von BioNTech-Pfizer erhalten. Bei der ersten Impfung habe ich keine Nebenwirkungen gespürt, aber nach der zweiten Impfung war ich zwei Tage lang müde (vergleichbar der Müdigkeit bei einer Erkältung), aber danach war alles wieder in Ordnung.
Du hast beruflich und privat viele internationale Kontakte. Wie waren die globalen Reaktionen auf Deine Impfung?
Viele meiner Freund*innen waren begeistert, dass ich so schnell eine Impfung bekommen habe und haben mich gefragt, ob ich sie unterstützen kann, dass sie auch schneller geimpft werden. Diese Möglichkeit gibt es nicht und jeder soll sich für die Impfung anmelden und entsprechend einer Priorisierung geimpft werden. Viele meiner Verwandten im Iran möchten, dass ich für sie einen zugelassenen Impfstoff in Deutschland wie von der Marke BioNTech-Pfizer oder Moderna dorthin schicke. Im Moment gibt es im Iran nur den Sputnik V Impfstoff aus Russland. Leider gibt es im Moment keine Möglichkeit, hier einen Impfstoff zu kaufen und in meine Heimat zu schicken.
München/Aying/Peiß, 20. Februar 2021 Fragen: Katharina Natuzzi, Einleitung: Florian Fritz
 

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld