Dieser Beitrag wurde verfasst von Dipl.-Ing. (Landschaftspflege) Renate Koppen aus in Stuttgart. Sie war bis zu ihrer Pensionierung Berufsschullehrerin an der Grartenbauschule Stuttgart-Hohenheim, zudem ist sie aktives Mitglied bei der SOLAWIS (solidarische Landwirtschaft Stuttgart).

Ackerkräuter, Wiesenkräuter, Wildkräuter, Heilkräuter, Beikräuter

Geradezu unglaublich üppig wächst und blüht es ab Mai/Juni auf Feldern und Wiesen, an Weg- und Waldrändern, in Gärten und Wäldern. Wir freuen uns über Klatschmohn, Kornrade und Kornblume als Farbkleckse in den Getreidefeldern. Aber ist das alles, was da zwischen den Getreidereihen wächst? Als weniger attraktiv für den Landwirt erscheinen Sauerampfer, Disteln, Hirse…

Klatschmohn, Margerithe, Wiesensalbei…erscheinen wieder, wenn Wiesen nicht gedüngt werden

Aber blüht es tatsächlich auf allen Äckern und Wiesen üppig? Wir können beobachten, dass auf manchen Äckern nur die Pflanzen wachsen, die geerntet werden sollen, weil mit Herbiziden (Unkrautvernichtungsmitteln) konkurrierende Beikräuter abgetötet werden. Das hat wiederum zur Folge, dass Insekten wie Schmetterlinge, Käfer, Ameisen keine Nahrung finden, verschwinden oder gar in Folge von Pestiziden absterben.

Ackerkräuter Kamille, Kornblume und Klatschmohn erscheinen wieder, wenn keine Herbizide angewendet werden

Wir beobachten auch, dass auf Wiesen oft fast nur Gräser wachsen und nur wenige Kräuter wie Wiesensalbei, Wiesenmargerithe, Wilde Möhre, Wiesenskabiose u.v. mehr blühen.

Wie sind die Zusammenhänge? Warum brauchen wir Vielfalt auf Wiesen und Äckern? Gucken wir doch einmal genauer auf eine Ackerdistel.

Vielleicht entdecken wir auf dem 1. Blick wenig oder gar nichts. Doch auf den 2. Blick eröffnet sich uns bei längerem Hinschauen und Beobachten eine Fülle von kleinen Tieren.

Die verschiedenen Tiere lassen sich in Beziehung zueinander setzen:

Blattläuse saugen an den weichen Teilen der Pflanze. Sie werden von Marienkäfern und deren Larven, aber auch von Schwebfliegenlarven, Ohrwürmern und „Blattlauslöwen“ (das sind Netzflüglerlarven) gefressen.

Ameisen hingegen beschützen die Blattläuse vor ihren Feinden, indem sie diese als Beute ins Nest tragen.

Marienkäfer und Schwebfliegen sind durch ihre auffälligen Warntrachten z.B. vor Vögeln geschützt. Während Marienkäfer schlecht schmecken, ahmen Schwebfliegen Wespen oder Bienen nach und täuschen so ihre Feinde. Als Blütenbesucher stehen sie mit der Distel in partnerschaftlicher Beziehung. Dennoch werden sie von Spinnen gefressen.

Pflanzenfresser wie Raupen, Käfer, Blattläuse oder Insektenlarven, die sich im Innern der Blätter in „Blattminen“ entwickeln, fügen der Distel nur geringen Schaden zu. Werden die Blütenköpfe jedoch mit Bohrfliegenlarven oder Rüsselkäferlarven befallen, können die Samenanlagen aufgefressen werden, sodass die Fruchtbildung mit den Samen beeinträchtigt wird.

Schlupfwespen sind Parasiten: sie belegen andere Insekten mit ihren Eiern, die dann zu einem Wirt werden. Diese Larven entwickeln sich dann z.B. in Blattlauslarven…

Wir erkennen sogar an einer Distel, dass die einzelnen Arten in wechselseitiger Beziehung nebeneinander stehen. Und so bilden die verschiedenartigen Lebewesen (Pflanzen, Tiere, Pilze, Bakterien) unterschiedliche Lebensgemeinschaften.

Stuttgart/Aying, 01. August 2021

 

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