Müllarm, ökologisch und nachhaltig durch die Feiertage

Je näher Weihnachten rückt, desto größer wird der Druck der Konsumgesellschaft, gerade auf Familien: Basteln, Schmücken, Schenken; Christbaum, Christkindlmarkt, Adventsfeiern in Kindergärten, Schulen und Vereinen, Besuche und Einladungen, die Liste der Verpflichtungen und der damit verbundenen Erwartungen lässt sich beliebig erweitern. Auch wer seinen Familienalltag so nachhaltig wie möglich gestaltet, stößt gegen Jahresende an seine Grenzen: wie schafft man es Kinderaugen zum Glänzen, Herzen zum Aufgehen und Freunde zum Staunen zu bringen und dabei nachhaltig, müllarm und stressfrei zu agieren? Der folgende Beitrag fasst einige praxiserprobte Beispiele zusammen, wie man die Feiertage entschleunigen und nachhaltig gestalten kann.

Am kommenden Donnerstag, den 19. Dezember, trifft sich der Nachhaltigkeitsstammtisch der Klimaschutzinitiative 29++  um 20 Uhr im Kastanienhof in Aying. Wer in letzter Minute noch Fragen oder Anregungen zu Weihnachten und Sylvester hat, ist zum letzten Treffen in diesem Jahr natürlich herzlichst willkommen!

Nachhaltig leben wird oft mit Verzicht gleichgesetzt. Überspitzt zusammengefasst: Kein Müll, kein Konsum, kein Fleisch. Also Weihnachten ohne Geschenke, ohne Baum, ohne Kerzen, ohne Festessen, ohne Freude? Das ist weder die Idee, die unserem Weihnachtsfest zugrunde liegt, noch sonderlich reizvoll. Sich selber frei von eigenen und fremdbestimmten Ansprüchen zu machen, ist ein erster Schritt zu einem nachhaltigeren, achtsameren Advent. Der Grundsatz „Alles kann, nichts muss“ gilt auch hier: Ein Adventskalender kann auch in Buch- oder Bilderform, ein schlichter Adventskranz aus Teelichten die Wartezeit auf den Heiligen Abend vertreiben. Sich gemeinsam Zeit zu nehmen, bewusst zu entschleunigen – das schafft Erinnerungen und das Gefühl von Geborgenheit und Ruhe in einer oft doch sehr hektischen Zeit. Traditionen und Bräuche können jedes Jahr wieder für die eigene Familie hinterfragt und neu verhandelt werden.

Bei all den nachhaltigen Möglichkeiten muss ein*e Jede*r für sich abwägen, was umsetzbar ist. Sicher ist, jede*r kann dabei seinen Beitrag zum Klimaschutz beitragen und in seinem*ihren Alltag anfangen umzudenken. Das Weihnachtsfest vollumfänglich nachhaltig zu gestalten ist auch für Profis nicht im Handumdrehen umsetzbar. In vielen kleinen Schritten können wir uns alle gemeinsam auf den Weg machen. Ein gemeinsamer, zukunftsweisender, nachhaltiger Weg zu einem friedvollen Weihnachtsfest.

Nachhaltig weihnachtlich schmücken

Nichts zu müssen kann wunderbar befreiend sein – das gilt auch für die Innen- und Außendekoration: Es muss nicht jedes Jahr ein neuer Themenbaum mit komplett neuem Farbkonzept und den dazugehörigen neuen Glaskugeln sein. Baumschmuck lässt sich wunderbar mit Freunden und Nachbarn austauschen und verleiht dem eigenen Baum neuen Glanz und ein verändertes Aussehen, wenn man das möchte. Ansonsten lassen sich neue Dekoartikel auch wunderbar aus vorhandenen Dingen basteln, Klopapierrollenwichtel, Salzteiganhänger und Allerlei aus dem Wald bereichern jedes Deko-Konzept.

Schenken und beschenkt werden

Frei machen kann man sich auch beim immer ausufernden Kreis der Beschenkten. Bevor man den Geschenkemarathon startet, sollte man sich fragen: Wem möchte ich an Weihnachten wirklich eine Freude machen und wem fühle ich mich nur verpflichtet? Statt Verlegenheitsgeschenke ehrliche, persönliche Weihnachtsgrüße zu verschicken, gemeinsame Zeit zu schenken oder vielleicht auch nur einen Anruf, eine Umarmung, eine Geste voll Liebe und Freundschaft. Geschenke kaufen kann extrem anstrengend sein. Hilfreich kann dabei sein, konkret bei den zu Beschenkenden nachzufragen, was genau denn gewünscht wird, aber auch selber Wünsche möglichst konkret zu formulieren. Beim Kauf sollte dann möglichst den lokalen Handel unterstützen und auf unnötige Online-Bestellungen verzichten. Wenn es denn ein Online-Kauf wird, dann empfehlen sich Sammelbestellungen und die Vermeidung von Rücksendungen, um das Klima und den Paketzusteller zu schonen. Auch der Kauf von Geschenken im Ayinger Minikaufhaus “Allerlei” oder einem anderen Second-Hand-Laden, auf dem Flohmarkt oder über Kleinanzeigen, sollte kein Tabu sein! Tatsächlich gibt es auch dort häufig originalverpackte Neuware. Hat man alle Geschenke beisammen, muss nur noch alles hübsch verpackt werden. Geschenke verpacken dauert lang und wird dann nur allzu schnell wieder aufgerissen und zu einem hohen Berg an Müll aufgetürmt. Erste Devise ist hier das Aufbrauchen der angesammelten Geschenkpapiermengen der vergangenen Jahre und die Überlegung, welche Geschenke überhaupt eine eigene Verpackung benötigen und bei welchen eine schöne Schleife genügt. Nachhaltiges Geschenkpapier, schöne Stoffe, alte Schaltücher oder wiederverwendbare Geschenkbeutel, aber auch recyceltes Pack- oder selbstbemaltes Zeitungspapier eignen sich zudem hervorragend für Geschenke aller Art. Weniger ist mehr, etwas mehrfach verwenden und zum Umdenken anzuregen, ist ein spannender Prozess und zweifach nachhaltig. 

Nachhaltig schlemmen

Auch beim Festessen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mehr Nachhaltigkeit auf den Tisch zu bringen. Regionale, saisonale und möglichst biologisch erzeugte Lebensmittel bedeuten nicht weniger, sondern mehr Genuss, vor allem ohne schlechtes Gewissen. Eine durchdachte Vorbereitung erspart Stress, Müll und Reste: wer weiß, was genau er kochen möchte und für wie viele Personen, erleichtert sich nicht nur den plastikarmen Einkauf, sondern kann zeitnah auch auf regionale und saisonale Alternativen achten. Weitere Informationen zum nachhaltigen Festessen findet man bei den Verbrauchertipps der Bundesregierung. Hier findet man zahlreiche hilfreiche Anregungen, wie zum Beispiel Fisch nur aus nachhaltigem Fischfang zu kaufen.

…und das alles unterm Tannenbaum

Zum Christbaum gibt es hier einen sehr aufschlussreichen Artikel aus dem vergangenen Jahr. Auch in diesem Zusammenhang gilt: wer sich nicht für eine der zahlreichen Alternativen zum konventionellen Baum entscheidet, möge bitte auf Regionalität und biologischen Anbau achten. Die meisten konventionellen Bäume, die man ab Ende November buchstäblich an jeder Ecke kaufen kann, stammen aus Plantagen, in denen kräftig gespritzt und gedüngt wird, was die Natur stark belastet. Diese Gifte werden dann im beheizten Wohnzimmer ausgedünstet, bevor sie zwei Wochen später auf dem Müll landen. Alternativen sind Mietbäume im Topf oder regionale Bäume vom örtlichen Förster, die allerdings leider ebenfalls oft pestizidbelastet sind. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kauft Bäume mit Öko-Siegeln von zertifizierten Bio-Bauern. Der BUND Naturschutz wirbt explizit für Bio-Bäume und bietet auf seiner Homepage ein umfangreiche Anbieterliste an. Reinschauen lohnt sich, den nächsten Bio-Baum kann man demnach in Oberpframmern erwerben. 

Peiß/Göggenhofen, 15. Dezember 2019 Katharina Natuzzi & Stefanie Karcher

 

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